Lahrer Zeitung

Lahrer Zeitung Fotos: Rekow(2)/Jenssen/Breuer

Zündende Ideen sind sein Job

Quelle: Lahrer Zeitung 9. November 2012

Michael Rekow aus Kehl gestaltet das Abschluss-Feuerwerk der Chrysanthema

Zuerst wird ausgiebig Musik gehört. Am liebsten pompöse Instrumentalklänge mit ordentlich Bass und Schlagwerk. Ein toller Job muss das sein, den  Michael Rekow aus Kehl-Goldscheuer seit mehr als zehn Jahren macht. Doch wer glaubt, der 47-Jährige hole sich auf diesem Weg die Inspiration für
eigene Lieder, irrt gewaltig. Und trotzdem klingt es nicht übertrieben, wenn sich Rekow als Komponist bezeichnet. Der Familienvater beherrscht
seine Kunstform aus dem Eff-Eff. Er bietet seinem Publikum unerwartete Augen- und Ohrenschmäuse, die sprichwörtlich für einen Knalleffekt
sorgen. Seit mittlerweile zwölf Jahren ist Rekow Inhaber der Firma »M. R. Art Design«, die Pyrotechnik sowie Spezialeffekte vermarktet.

Der Lahrer Stadtverwaltung ist das nicht verborgen geblieben. Rekow ist das Gesicht hinter dem Abschluss-Feuerwerk der Chrysanthema. Am morgigen
Samstag dürfen sich die Besucher ab 18.30 Uhr auf einige Überraschungen gefasst machen, verspricht der Experte. 20 Minuten dauert das Spektakel, das die Dächer um den Marktplatz erleuchten wird. 20 Minuten, in denen Rekow unzählige Stunden an Vorbereitung und Arbeit im wahrsten Sinn des Wortes in Rauch aufgehen sieht. »So ist das nun mal«, sagt der Kehler mit einem schelmischen Grinsen und nippt bedächtig an seiner Kaffeetasse. Er ist scheinbar nicht aus der Ruhe zu bringen. Und das ist auch gut so – schließlich arbeitet der 47-Jährige mit Sprengstoff.

»Deshalb steht Sicherheit an erster Stelle.« Um die gewährleisten zu können, muss der Kehler seine Einsätze akribisch durchplanen.Womit wir wieder beim Thema Musik wären: »Mit der Auswahl der passenden Melodien fängt alles an«, sagt Rekow. »Sobald die Musik läuft, sehe ich die Effekte vor meinem geistigen Auge. « Der Pyro-Experte ist überzeugt: »Feuerwerk ist nicht gleich Feuerwerk. Eine Choreografie ist unverzichtbar. Nur so kann Spannung erzeugt werden.« Rekow bezeichnet sich deshalb als Künstler und Techniker in einer Person.

Nachdem der »Künstler« die Musik zusammengeschnitten hat, ist der »Techniker « gefragt. »Mithilfe einer speziellen Software kann ich passend zum Verlauf der Musik die Licht und Knalleffekte programmieren. « Allein schon dieses Prozedere nimmt mehrere Tage in Anspruch. Ist Rekows Komposition fertig, kann das benötigte Material aus dem Lager – ein etwa zehn mal acht Meter großer Bunker, der strengsten Sicherheitsvorschriften gerecht wird
– geholt werden. Engpässe sind laut Rekow nicht zu befürchten: »Unser Bunker ist immer gut gefüllt. Er ist sozusagen unsere Schatzkammer.« Doch bevor das Spektakel losgehen kann, müssen am sogenannten Abbrennplatz – also jener Stelle, an der das Feuerwerk steigt – einige Vorbereitungen
getroffen werden. Zunächst müssen die Batterien, aus denen die Licht- sowie Knalleffekte abgeschossen werden, montiert werden.
»Wir achten dabei darauf, dass nichts umkippen kann.

Schließlich darf keiner der Zuschauer zu Schaden kommen«, sagt Rekow. Spezielle Halterungen, die der Kehler zum Teil selbst entwickelt hat, machen
das möglich. »Die Batterien werden damit fest verschraubt. So kann nichts passieren.« Dafür müssen drei Mann am Veranstaltungstag vier Stunden lang
schwitzen. Bereits imVorfeld der Planung macht sich der Experte ein genaues Bild vom Ort des Geschehens. »Erst wenn klar ist, wie es mit den Sicherheitsabständen aussieht, wird entschieden, welche Feuerwerkskörper zum Einsatz kommen«. Auf dem Lahrer Marktplatz werden es morgen
ausschließlich Geschosse der Klasse 2 sein, die zum Jahreswechsel in jedem Supermarkt erhältlich sind. Aber Rekow hatte es bereits betont: Feuerwerk ist eben nicht gleich Feuerwerk. »Wir bieten Effekte, die es beim Discounter nicht zu kaufen gibt.« Die Zündung selbst erfolgt über eine elektronische  Steuereinheit – mit nur einem Knopfdruck. »Am Samstag übernimmt das die Chrysanthemen-Königin«, sagt Rekow mit einem Augenzwinkern. Seine   kostspielige technische Ausstattung bezeichnet er übrigens liebevoll als »Mercedes, der sehr gut fährt«. Was genau die Zuschauer morgen auf dem Lahrer
Marktplatz erwarten dürfen, will der Pyro-Experte noch nicht verraten. »Nur so viel: Wir hauen richtig Material raus. Mehr als 50 Zündeinsätze sindm geplant. Und die sind zum Teil doppelt und dreifach bestückt.

« Auch das Motto der Blumenschau, »Bewegung und Balance«, soll sich im Feuerwerk widerspiegeln. Die passende Musik ist längst gefunden. Unter anderem setzt Rekow auf Melodien aus dem Film »Rocky« und das Stück »The Race« von der Künstlergruppe »Yello«. Ein 20-minütiges Feuerwerk
durchzukomponieren, sei eine große Herausforderung, sagt der Kehler. »Das Geheimnis ist die richtige Dramaturgie. Die Spannung permanent hoch zu
halten, ist fast unmöglich.« Für alle, die sich das bunte Spektakel nicht entgehen lassen wollen, hat Rekow noch einen gut gemeinten Ratschlag: »Es ist gewissermaßen wie im Kino: Je näher man dran ist, desto schlechter sieht man.« Ob es auf dem Marktplatz deshalb ein Gerangel um die hinteren Plätze geben wird, bleibt abzuwarten. Richtig knallen wird dort es aber auf jeden Fall. Benjamin Klein

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